Stand: 15. April 2008, 861 Stimmen

Unsere Umfrage ist nun beendet und mit insgesamt 861 Teilnehmern sicherlich recht repräsentativ.
Sie hat Ergebnisse, die sich in ähnlicher Form von Anfang an abgezeichnet haben.

Die Partner sind durchweg über SM-Neigungen informiert (78 %), dicht gefolgt von den engen Freunden (59 %).

Am ehesten unbekannt bleiben SM-Neigungen gegenüber den Eltern und Geschwistern (71 bzw. 68 %), den entfernteren Bekannten (64 %), den eigenen Kindern (77 %), und den Arbeit-/Auftraggebern (84 %).

Natürlich geht es den Arbeit-/Auftraggeber nicht das geringste an, womit wir uns in unserer Freizeit befassen. Dennoch kann man es angesichts der leider noch immer herrschenden Vorurteile gegenüber SM nicht ausschließen, dass der Chef oder die Kollegen solche Neigungen sehr interessiert zur Kenntnis nehmen, wenn sie davon erfahren.
Ob es bei bösem Klatsch bleibt, oder ob man weitere Konsequenzen befürchten muss, hängt oft genug vom Zufall ab; und unser Beruf ist nun einmal unsere finanzielle Lebensgrundlage, die man in Zeiten wie heute auch nicht einfach austauschen kann.

An dieser Stelle ist ein freiwilliges Outing am schwersten; ist man damit zu früh, kommt es womöglich gar nicht erst zum Arbeitsvertrag, oder die Probezeit verlängert sich nicht. In beiden Fällen muss eine Geschäftsleitung ihre Entscheidung nicht begründen, kann sich also ungehemmt auch von solch fachfremden Kriterien leiten lassen.
Lässt man andererseits die SM-Vorliebe erst später erkennen, werden viele sich über das Schweigen vorher wundern, und es kommen Missstimmungen auf, die vermeidbar sind und die Frage aufwerfen, ob die sicheren Probleme jetzt es wirklich wert sind, lediglich potentiellen, im Zweifel sogar unwahrscheinlichen zukünftigen zuvorzukommen.

Man kann hier also praktisch am wenigsten Vorsorge durch Aktivwerden treffen, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Gleichzeitig ist dort die Gefahr gravierend nachteiliger Entwicklungen am größten, und damit auch der Bedarf an Unterstützung, falls etwas passiert.

In der Regel (73 %) wurde die Neigung per eigenem Coming Out bekannt; lediglich bei sehr wenigen (4 %) lag ein Zwangsouting durch Dritte vor, und in etwas mehr Fällen (23 %) war es eine Mischung aus beidem.

Das zeigt, dass Zwangsoutings durchaus vorkommen; und vor allem, wenn sie einen der sensiblen Bereiche treffen, die sich oben herauskristallisiert haben, beispielsweise den beruflichen Bereich oder die eigenen Kinder, kann der Schaden enorm sein.
Dennoch liegt das Hauptgewicht dessen, wobei wir ein wenig Unterstützung leisten können und sollten, sicherlich auf dem freiwilligen Coming Out.

Bei diesem wurden von den Teilnehmern an der Umfrage überwiegend gute Erfahrungen gemacht (71 %), was diese Schlussfolgerung noch verstärkt.

Beim Zwangsouting durch Dritte waren die Erfahrungen gut (35 %) oder gemischt (43 %), und in zu vielen Fällen (22 %) schlecht.

Mit Schwierigkeiten in Zusammenhang mit einem Outing hatte knapp ein Viertel der Teilnehmer (24 %) zu kämpfen.
Auf der einen Seite ist diese Zahl erfreulich niedrig; auf der anderen Seite ist allerdings jeder solcher Fall ein Fall zuviel - und ein Beweis dafür, Unterstützung tut tatsächlich not. Was die aktuellen Anfragen an uns belegen.
So gerne wir unsere Aktion auch für völlig überflüssig erklären und wieder auflösen würden.

Über die Hälfte der Antwortenden (55 %) empfand Erleichterung, nachdem die eigen SM-Neigung zur Sprache gekommen war.
Ein weiteres Argument für das freiwillige Coming Out, und also auch ein Hinweis für uns, wo Hilfe willkommen sein kann.

Wir danken allen, die so engagiert teilgenommen haben.