Bis ich 19 war, gehörte ich zu einer Clique, die sich eigentlich aus einer Sandkastenliebe und einigen Kindergarten- und Grundschulfreundinnen und -freunden entwickelte. Wir hatten eine Liebe und ein Vertrauen zueinander, die es uns ermöglichten Spiele zu entwickeln, die uns mehr und mehr unsere Grenzen brachten. Was wird da getan haben, ist einfach aus uns heraus entstanden und wir haben auch nie versucht es zu definieren. Es wurde zu einer Lebenseinstellung, zu einem festen Bestandteil von uns und unserer Beziehung.

Mit 19 bin ich weggezogen um zu studieren. Damit brach nach und nach auch der Kontakt zu meinen Freunden ab (anfangs war ich in den Ferien noch zu Hause.)

Ich habe neue Freunde gefunden, mit ihnen darüber aber nie geredet. Ich hätte auch gar nicht die Worte dazu gehabt. Langsam bin ich von SM auf Schokolade und extrem viel Arbeit umgestiegen, mit fatalen Folgen.
Ich habe meine eigentlichen Bedürfnisse und Wünsche immer weiter verdrängt und immer mehr zugenommen. Eine Depression als Nebenwirkung eines Medikamentes brachte mich noch dazu in eine sehr destruktive Sub-Rolle, aus der ich auch nach der Depression nicht mehr völlig herauskam. Ich fing an mich den Wünschen aller in meinem Umfeld unterzuordnen, bis ich nahezu aufhörte zu existieren. Ich habe das alles nicht einmal bemerkt.

Aufgrund eines Vorfalls, der eigentlich nichts mit SM direkt zu tun hatte, bin ich wieder aufgewacht und habe versucht, endlich Worte und Definitionen für meine Gefühle zu finden. Ich bin zufällig über den Begriff SM gestolpert und habe im Internet gesucht. Ich war erschrocken, wie sehr ich mich hierbei wiedererkannte und musste mich erst mal vor mir selbst outen. Bei SM-Outing fand ich endlich auch Ansprechpartner, die mich unterstützt haben (vielen dank).

Bald fühlte ich mich stark genug mich bei meinen Freunden zu outen, mit überraschend positivem Erfolg. Die meisten können es zwar nicht verstehen, sie akzeptieren mich aber so wie ich bin. Einen Teil meiner Familie und meinen Mann habe ich dann auch eingeweiht. Alle haben recht gelassen reagiert. Mein Mann hat in der Zwischenzeit sehr große Probleme damit. Er kann mich nicht verstehen und fühlt sich dadurch überfordert, sicher auch dadurch, dass ich wieder stärker geworden bin und er das nicht gewöhnt ist. Von meinen Freunden und meiner Familie (auch von denen, die nichts wissen) habe ich gehört, dass ich mich sehr stark verändert habe. Sie sagen ich sei endlich wieder so wie früher und sie sagen sie hätten sich in der letzten Zeit sehr viele Sorgen um mich gemacht und sie hätten mich vermisst.

Nebenbei habe ich von vielen dieser Freunde Geheimnisse erfahren, die sie vorher nicht verraten hätten. Das Outing hat irgendwie das Eis gebrochen und uns stärker zusammengebracht als vorher. Außerdem habe ich endlich (ohne Diät) 5 kg abgenommen und hoffe das geht so weiter.

Ich habe mein Leben wieder, meine innere Stärke und Ziele und auch wenn ich meine SM-Neigungen zur Zeit nicht ausleben kann, bin ich doch froh darüber, dass ich mich nicht mehr verstecken muss.

Biene