Persönliche Entwicklung

Geboren 1949 wuchs ich die ersten 7 Jahres meines Lebens auf einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein auf. Eingeschult wurde ich dort auch noch für die ersten 9 Monate bis die Familie umzog. Wechsel zum Gymnasium mit Abschluss Abitur 1970, danach Banklehre, Studium und ab 1981 freiberufliche Tätigkeit.

Als Kind spielten wir selbstverständlich Räuber und Gendarm, Indianer, die beliebten Feldspiele, wobei es regelmäßig zu Festnahmen bzw. Fesselungen der jeweils als Opfer ausersehenen Beteiligten kam. Ich weiß nicht woran das lag, ich wehrte ich mich am Heftigsten gegen die Gefangensetzung. Heute denke ich manchmal, dass ich mich gegen das gewehrt habe, was ich am meisten begehrte, bzw. wollte ich vielleicht, dass man mich besonders streng fesselt? Als ich ca. 14 - 15 Jahre alt war, hatte ich mit einem Schulkameraden regelmäßig Fesselsessions. Wir waren uns dabei - unausgesprochen - immer der Tatsache bewusst, dass das Ganze eine sexuelle Komponente hatte (Erektionen) und gingen häufig - während der andere "in den Seilen hing" - in ein Nebenzimmer zum Onanieren. Ich unternahm auch Selbstfesselungen und entwickelte für glänzende Bekleidungsmaterialien, Fesselungsdarstellungen, Lederbekleidung und "Folterungen" ein großes Interesse. Der eigentliche Hintergrund dieser Verhaltensweisen war uns beiden nicht klar. Gegenüber Personen, denen ich nicht - wie meinem Schulkameraden - vollkommen vertraute, äußerte ich mich in sexueller Hinsicht niemals. Das hat sich auch bis heute kaum verändert. Ich lehnte damals wie auch heute das sog. "Schweinigeln" über Mädchen, Schulkameraden usw. ab und beteilige mich nicht daran. Das geht soweit, dass ich ggfls. erkläre, dass man das in meiner Gegenwart auch unterlassen könne. Das hat nichts mit Prüderie zu tun, sondern mit einer Missachtung der anderen Personen. Außerdem denke ich, dass diejenigen, die sich am meisten aufregen, bei Lichte betrachtet dazu die geringste Veranlassung haben.

Meine erste Frau lernte ich ca. 1966 kennen. Es handelte sich um eine fast gleichaltrige Schülerin. Wir hatten sexuelle Kontakte, zunächst Petting, später normalen Geschlechtsverkehr und heirateten 1973; aus der Ehe sind Kinder nicht hervorgegangen. Auf einer Amerikareise kauften wir das Buch "Joy of Sex" von Comfort, in dem auch Empfehlungen in Richtung des Bondage enthalten sind. Für sich selbst lehnte meine Frau es konsequent ab, gefesselt zu werden, unternahm das aber bisweilen bei mir und zögerte einen Koitus sehr lange hinaus. Später erklärte sie mir einmal, dass sie das nur gemacht hätte, um mich nicht an "gewisse Damen in der Reeperbahngegend" zu verlieren. Nach achtjähriger Ehe trennten wir uns und ließen uns ohne große Auseinandersetzungen 1983 scheiden. Wir sind heute noch gute Freunde.

Nach unserer Trennung suchte ich regelmäßig eine recht gute Domina auf, die bereit und in der Lage war, auf meine Wünsche und Vorstellungen einzugehen. Ich denke an diese Zeit gerne zurück. Allerdings hielt ich mich selbst für ziemlich pervers und entwickelte in Hinblick auf meine Neigungen erhebliche Schuldgefühle. In dieser Zeit schaffte ich mir auch meine erste (graue) Lederhose an, die im Bundfaltenschnitt gearbeitet war, um ja nicht zu sehr aufzufallen. Mit meinen Neigungen blieb ich im übrigen völlig alleine und konnte oder wollte sie auch mit niemandem besprechen. In dieser Phase lernte ich meine heutige Frau kennen, die über meine Neigungen zu Lederbekleidung ziemlich entsetzt war. Meine weiteren Vorstellungen habe ich ihr jahrelang nicht offenbart. Ich vernichtete daher auch meine "Spielsachen" im Zusammenhang mit der Begründung einer gemeinsamen Wohnung und stellte Studiobesuche ein. Ich hoffte, dass sich bei mir verschiedene Dinge von alleine ordnen würden und ich in der Ehe nach einer gewissen Zeit bei meiner Frau Verständnis für meine Neigungen wecken könnte.

Das war ein ziemlicher Trugschluss. Obwohl wir uns menschlich immer besser verstanden und auch unsere drei Kinder geboren wurden, blieb das sex. Verhältnis immer angespannt und wurde schließlich problematisch. Meine Frau brach aus der Ehe aus und gestand mir das irgendwann. Wir waren uns beide klar darüber, dass wir vor einem Scheideweg standen: entweder die totale Trennung mit allen Konsequenzen oder ein neuer Versuch. Wir entschieden uns für die letztgenannte Lösung und suchten eine Eheberatung (Gesprächstherapie) auf. Diese war nicht schlecht, insbesondere gewannen wir selbst eine Position zu unseren eigenen Standpunkten. Es war klar, dass wir unter großen sexuellen Schwierigkeiten litten. Diese Einschätzung führte zum Beginn einer klassischen Sexualtherapie entsprechend den Methoden, die von Arentewicz u.a. erarbeitet wurden. Ich weiß nicht, ob ich mir das Buch schon früher oder erst im Zusammenhang mit der Ehetherapie angeschafft hatte. Auf jeden Fall besaß ich eine Monographie dieser Verfasser und merkte sofort welchen Weg der Therapeut einschlagen wollte. Meine Frau lehnte sogar die Lektüre dieses Buches ab. In der dritten oder vierten Sitzung zur Thematik Sexualität "blockierte" sie komplett mit einem erheblichen emotionalen Ausbruch und wir brachen diesen Teil der Therapie ab.

Während der weiterlaufenden Therapie, bei der sexuelle Probleme nicht mehr oder nur noch am Rande zur Sprache kamen, begann ich zunehmend unzufrieden, unglücklich zu werden, denn ich erkannte, dass meine Vorstellungen (über die weder mit dem Therapeuten noch mit meiner Frau von mir gesprochen wurde) völlig untergehen würden. In dieser Phase verstärkte sich bei mir der innerliche, seelische Druck wegen meiner vermeintlich perversen Neigungen und ich wandte mich hilfesuchend an das Institut für Sexualkunde einer Universitätsklinik. Ich hatte einen kleinen Bericht über meine sex. Entwicklung und meine sonstigen Verhältnisse gefertigt, damit die Therapeuten einen schnellen Einstieg erhalten sollten. Ich wollte mich nicht mit "Nebenkriegsschauplätzen" abgeben. Dabei muss ich feststellen, dass dieser Schritt für mich persönlich ein echtes "Outing" war, konnte ich doch nicht völlig sicher sein, dass ich in dem Institut nicht Personen aus dem erweiterten Bekanntenkreis treffen würde. Die Therapeutin erklärte mir nach einem ca. einstündigen und sehr guten Gespräch, dass (in aller Kürze formuliert) meine ganzen Schuldgefühle usw. zwar völlig verständlich gleichwohl unbegründet seien. Man habe es bei meinen Vorstellungen nicht mit einer pathologischen Variante der Sexualität zu tun, sondern allenfalls mit einer Deviation, von der ein statistisch verifizierbarer Teil unserer Bevölkerung betroffen sei. Es sei im Gegenteil wichtig, dass ich mir der Tatsache der Deviation bzw. meiner Spielart der Sexualität bewusst würde und sie auch lebte. Dann sähe sie für mich keine Probleme, sondern allenfalls die Probleme, die alle Anhänger dieser Form der Sexualität hätten (Schwierigkeit bei der Partnerwahl usw.). Ich müsste mir auch darüber klar werden, ob und wie ich diese Tatbestände meiner Frau nahe brächte, ggfls. im Rahmen der laufenden Ehetherapie.

In diese Zeit fiel auch die Wiederaufnahme des Kontaktes mit meinem früheren Partner der Fesselspiele. Es stellte sich heraus, dass dessen Ehe, die wenige Zeit zuvor zu Ende gegangen war, aus ähnlichen Gründen gescheitert war. Seine Frau hatte für seine sexuellen Vorstellungen auch kein Verständnis entwickeln können. Wir sprachen dann häufiger über unsere Probleme und konnten uns austauschen. Ich begann jetzt auch wieder Studios aufzusuchen.

Kurze Zeit nach den vorstehend erwähnten Gesprächen gab es eine größere Auseinandersetzung mit meiner Frau wegen irgendeiner Lappalie. Ich stürmte aus dem Haus - mit dem Ziel, die Ehe komplett zu verlassen. Ich wollte bei meinem Bruder in einer nahe gelegenen Stadt eine gewisse Zeit lang unterkommen und von dort meinen Auszug von zuhause organisieren. Für mich war die Ehetherapie aussichtslos, insbesondere deshalb, weil die sex. Komponente unserer Schwierigkeiten völlig unterging. Nachdem ich eine ganze Strecke gefahren war, meldete ich mich telefonisch und meine Frau beschwor mich zunächst einmal nicht weiterzufahren, damit wir alles besprechen könnten. Sie ging zunächst davon aus, dass mein Ausbruch begründet war durch unsere vorherige Auseinandersetzung. Sie kam mit dem anderen Wagen an meinen Standort und wir saßen im Auto ca. 2 Stunden zusammen und ich berichtete ihr überfallartig von meinen Entwicklungen, Vorstellungen usw. Ebenso erzählte ich von dem Besuch in Eppendorf. Sie hielt mich davon ab, zu meinem Bruder zu fahren und wir kehrten an unseren Wohnort zurück.

Nachdem ich mich nun gegenüber meiner überraschten Frau vollständig offenbart hatte, berichtete ich in der nächsten Sitzung der Ehetherapie auch dem Therapeuten, der eine Äußerung etwa des Inhaltes von sich gab, dass nun wohl "der Knoten geplatzt" sei. Mit Hilfe des Therapeuten fanden wir dann eine Lösung, wie wir nach wie vor zusammenleben können, bisweilen sogar mit "Blümchensex", ich aber auch meine Neigungen, ggfls.in Studios, auslebe.

Wie sehen diese Neigungen nun aus?

Zunächst einmal zu äußeren Umständen: eine gut geschnittene Lederkleidung löst bei mir Begeisterung aus, ob ich sie nun selbst trage oder bei Dritten sehe. Ich fühle das Leder wie eine zweite Haut. Bevorzugt werden die Farben schwarz und grau. Dazu gehören passende Schuhe - wobei mich Puschen völlig abturnen. Hinsichtlich der Praktiken ist zu bemerken, dass mich ein Gespräch über erotische Dinge, d.h. Fesselungen, Knebel usw., fasziniert. Häufig geht es dann nahtlos in eine entsprechende Beschäftigung mit diesen Dingen über. Dabei bevorzuge ich eine Fesselung mit Lederfesseln. Die Art und Weise der Fesselung (Hogtied, am Baum usw.) ist dabei zwar nicht gleichgültig, wird aber von mir als zweitrangig angesehen. Dazu gehört auch eine gekonnte Penisbondage. Gerne akzeptiere ich eine Knebelung, auch ein Verbinden der Augen und Ohren. Ein zeitweiser Entzug der Luft oder das Atmen durch ein Rohr beispielsweise mit der Konsequenz, dass ich immer wieder die gleiche Luft ein- und ausatme, wirkt auf mich stimulierend. Das wichtigste ist dann - wenn ich reaktionsunfähig bin - die möglichst langsame Stimulation von Brustwarzen, Penis und Anus bis zu einem Orgasmus. Kinder und/oder dissentierende Personen sind für mich keine Partner. Ich lege Wert darauf, alle vernünftigerweise anzuwendenden Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Ich neige eher zur passiven Variante, könnte mir aber auch eine aktive Rolle vorstellen.

Ich lese gerne erotische Literatur aus diesem Bereich und habe mich auch selbst schon daran versucht, solche zu verfassen. Das Problem ist darin zu sehen, dass ich leider nicht genügend Zeit habe, denn derartige Dinge verfasst man nicht nebenher, sondern muss sich in die Situation hineindenken, bevor man etwas zu Papier bringen kann.

F.