Ich habe es eigentlich immer für mich behalten, dass ich Sadomasochistin bin. Einmal war ich sogar fast zwei Jahre mit einem Mann zusammen, der von nichts wusste. Allerdings war das eher eine oberflächliche Beziehung; wenn es wirklich um Liebe geht, schweige ich darüber natürlich nicht, dafür ist mir diese Welt zu wichtig. Und wenn der Mann dann damit nichts anfangen kann, dann passen wir eben einfach nicht zusammen.

Außerhalb meines - ja, wie sagt man - Liebeslebens? Na, jedenfalls, außerhalb halte ich darüber schön fein die Klappe. Ich weiß, das ist feige, aber ich kann nun einmal nicht anders. Was ich dann erlebt habe, als es doch herausgekommen ist, bestätigt mich nur darin.

Ich hatte den Fehler gemacht, mich mit einem Mann einzulassen, den ich indirekt über meine Arbeit kennen gelernt habe. G. hieß er. Er arbeitete nicht in meiner Firma, aber wir beide und noch ein paar andere saßen an einem Projekt zusammen, das seine und meine Firma gemeinsam machten. Die Einzelheiten gehen wiederum niemanden etwas an.

G. ist dominant; wenigstens behauptet er das. Aber er hat seine verdammten Schwierigkeiten mit dieser Rolle, und ich habe es mehr als einmal erlebt, dass er gerade nach einer ganz besonders tollen Session depressiv oder auch mal aggressiv geworden ist. Das wollte ich auf die Dauer nicht mitmachen und trennte mich von ihm.

Ja, und dann hatte ich den Salat. Ich bin eine von denen, die bei der Umfrage mit dem Zwangsouting die schlechten Erfahrungen angegeben hat.

G. hat in dem kleinen Kreis, der für das Projekt zuständig war, an einem Tag, als ich krank war, ganz offen über meine perversen Vorlieben gequatscht, wie er das formulierte. Obwohl er ja dann nun selbst pervers ist - dass er selbst mit dem perversen Zeug auch etwas zu tun hat, hat er aber natürlich verschwiegen.

Was soll ich sagen - die drei aus meiner Firma trugen den Klatsch weiter, und eines Tages bestellte mich der Geschäftsführer ein. Er tat sehr besorgt, wegen dieser Gerüchte, und ich war so dumm, ich habe ihm einfach gesagt, das geht die Firma nichts an, was ich privat mache. Daraufhin hat er mir klipp und klar gesagt, ich soll mir einen neuen Job suchen. Den Aufhebungsvertrag hatte er schon fertig. Ich sollte unterschreiben, oder ich würde rausfliegen. Ich habe angefangen zu heulen, und blöderweise habe ich tatsächlich unterschrieben.

Danach war ich erst einmal fast einen Monat zu nichts mehr zu gebrauchen, habe nur geheult oder die Wände angestarrt. Ich gebe zu, es war dumm, dem Druck einfach so nachzugeben, aber nachher ist man immer schlauer. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich eine neue Stelle gefunden habe, und das auch nur mit viel Glück.

Was ich daraus gelernt habe? An meinem neuen Arbeitsplatz wird niemand was erfahren, weil ich nie wieder Privatleben und Beruf vermische. Klar, Zufälle gibt es immer - nur, derart nachlässig provozieren wie vorher werde ich sie nicht mehr. Ok, besser wäre es vielleicht, ich könnte ehrlicher sein. Aber ich kann eben nicht.

K.