Ich bin von Anfang an mit dem ganzen Thema irgendwie unbekümmert umgegangen. Ich habe jedem, der es wissen wollte oder eben auch nicht, ziemlich frech auf die Nase gebunden, dass ich auf SM stehe. Meistens habe ich sogar dazugesagt, dass ich devot bin, und da sich das als Frau ja so gehört, haben die meisten dabei nur gegrinst.

Ein paar dumme Witze gab es natürlich, und ab und zu hat auch mal einer gesagt, ich sei doch pervers und krank. Nur hat mich das wenig interessiert. Die Mühe gemacht, ihn irgendwie aufzuklären, habe ich mir natürlich auch nicht. Wozu auch? Die Menschen, die so einen Quatsch reden, lassen sich ja doch nicht vom Gegenteil überzeugen.

Trotzdem, ich habe mich wohl gefühlt mit dieser Offenheit. Und heute bin ich mehr als froh darum, dass ich mich nicht versteckt habe.

Vor knapp zwei Jahren habe ich eine ziemlich miese Trennung durchleben müssen, von einem Dom, der es einfach nicht akzeptieren wollte, als ich sagte, es ist Schluss, ich will nicht mehr. Er war der Meinung, ich gehöre ihm, sei sein Eigentum, oder was weiß ich. Dabei hatte er noch mindestens drei andere Subs, aber das war natürlich was ganz anderes.

Angefangen hat er bei unseren gemeinsamen Freunden, dann ging es weiter über den Stammtisch, den wir ab und zu gemeinsam besucht haben. Das war kein SM-Stammtisch, sonst wäre es ja nicht so schlimm gewesen. Nachher kam meine Schwester an die Reihe, irgendwann sogar eine Kollegin, die er bei mir mal kennen gelernt hatte, auf meiner letzten Geburtstagsfeier.

Allen hat er ganz genau auseinandergesetzt, welche Spiele wir miteinander gespielt haben, und dass er sich jetzt von mir getrennt hat, weil er diese Perversionen nicht mehr mitmachen will.

Also irgendwie empfand ich das schon als Zwangsouting, obwohl die meisten ja schon Bescheid wussten, und es war eine wahnsinnig schlimme Zeit. Ich kam mir regelrecht verfolgt vor, wusste ja auch nie, wann der nächste mich mit einem hämischen Lachen anspricht. Ich war schon ziemlich fertig und mit den Nerven am Ende.

Hätten die ganzen Leute nicht längst gewusst, ich bin SMerin, ich glaube, mir wäre nichts anderes übrig geblieben als abzuhauen und mir in einer anderen Stadt einen neuen Job zu suchen.

Mein Freundeskreis ist dadurch um etliche Leute kleiner geworden; so in allen Einzelheiten zu hören, was ich denn so treibe, das hat doch einige erschreckt. Es ist halt nicht dasselbe, ob man nur weiß, da ist eine, die mag SM, oder ob man ganz haarklein erzählt bekommt, wie ich gefesselt werden, mit Klammern malträtiert, mit Wachs, Folie und Gewichten, und dann noch ausgepeitscht.

Aber ich glaube, um die ist es nicht schade.

Monika