Neulich erreichte uns zum Krankenhaus-Artikel per Mail ein Einwand, den wir öffentlich diskutieren wollen, weil er möglicherweise auch bei anderen eine Rolle spielt.

"Ich habe mich aber gefragt, ob das mit dem Zettel neben dem Personalausweis nicht auch gefährlich ist, falls man den Geldbeutel verliert. Das ist dann ja unter Umständen auch ein Zwangsouting, je nachdem wer das findet."

So schrieb uns jemand - ein herzlicher Dank für die Mühe, diesen Gedanken mit uns zu teilen.

Nun ist es allerdings so, dass es in dieser Situation, wie in vielen anderen, nur zwei Möglichkeiten gibt, die beide ihre Nachteile haben.
Man kann leider nicht die Nachteile der einen zusammen mit denen der anderen vermeiden.

Wer aus Furcht vor den Folgen des Verlustes oder Diebstahls auf die kleine schriftliche Klarstellung verzichtet, muss im Fall eines Unfalls mit der Möglichkeit des Missverständnisses körperlicher Misshandlung leben; und wer mit ihrer Hilfe vorsorgt, weiß nicht, in welche Hände der Zettel gerät, wenn ihm seine Papiere abhanden kommen.

Entscheidend ist also eine Abwägung, welche Nachteile wahrscheinlicher und, im Fall des Eintretens, gravierender sind.

Nun ist glücklicherweise ein Unfall mit nachfolgender Bewusstlosigkeit nicht unbedingt etwas, das häufig passiert. Zu Verlust oder Diebstahl der Brieftasche mit Ausweis, Führerschein und ec-Karte kommt es da schon öfter; wobei in einem solchen Fall der kleine Zettel in der Regel die geringste Sorge sein wird, mit der man sich herumschlagen muss. Allerdings passt man auf wenig so auf wie auf seine Papiere; alltäglich sind Verlust und Diebstahl insofern nicht.

Auf der anderen Seite ist aber im ersten Fall die Gefahr nachteiliger Folgen sehr real und sehr gravierend. Ärzte müssen im Prinzip beim Verdacht auf Misshandlung tätig werden, und das ist auch gut und richtig so.
Und selbst wenn dieser Verdacht sich im Zweifel sehr schnell aufklären lässt - eine Akte ist womöglich bereits angelegt, ein Misstrauen ist entstanden, und aus der Welt kommt dadurch beides nicht mehr.

Jemand, der die Brieftasche gestohlen hat, wird sich gewiss nicht mit dem Wissen um die SM-Neigung an die Öffentlichkeit wagen und dadurch selbst belasten.

Wird eine verlorene Brieftasche mit Zettel wieder aufgefunden, amüsieren sich womöglich einige Menschen darüber; der Finder, und der Beamte auf dem Fundbüro zum Beispiel.
Welche Nachteile drohen dadurch?
Eine Strafanzeige bestimmt nicht - allenfalls ein wenig hämischer Klatsch.

Entscheiden kann dieses Dilemma allerdings letztlich nur jeder für sich persönlich.